03-2021
03-2021

Baumesse digital — geht das überhaupt?

Materialien mit den eigenen Händen anfassen, die neusten Geräte selbst ausprobieren und über Lieferkonditionen bei einer Tasse Kaffee verhandeln.

Droht das, was viele mit der BAU – der Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme – verbinden, in digitaler Form unterzugehen?  

Dass die Messe im Januar den digitalen Weg ging, kam nicht von ungefähr. Denn nachdem die Veranstaltung pandemiebedingt abgesagt wurde, stimmte ein Großteil der Aussteller für eine digitale Alternative. Mitte Oktober begann damit ein Wettlauf gegen die Zeit, für eine der größten Baumessen Europas ein Digitalkonzept zu entwickeln.

Veranstalter und Aussteller wurden gleichermaßen in die Pflicht genommen. „Klar ist, dass eine Präsenzmesse unersetzlich ist. Der Wert des persönlichen Austauschs von Angesicht zu Angesicht wird uns allen gerade jetzt in der Corona-Krise sehr deutlich“, so Dr. Reinhard Pfeiffer aus der Geschäftsleitung der Messe München.

Dr. Reinhard Pfeiffer, Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, Messe München

Damit der persönliche Austausch dennoch zustande kommen kann, ist mehr Planung denn je wichtig. Mithilfe eines Portals war es möglich, sich sein persönliches Messe-Programm im Vorfeld zusammenzustellen. Was das genau heißt? Zum Beispiel die entsprechenden Einzelgespräche mit Ausstellern vereinbaren und diese im Terminkalender abzuspeichern. Hinzu kommen virtuelle Kongresse, Diskussionen und Produktvorstellungen, die sowohl live als auch als Wiederholung verfolgt werden können.

247 Aussteller aus 29 Ländern beteiligten sich an der Premiere der BAU ONLINE. Einer von ihnen ist ASSA ABLOY. Für die Anbieter von Sicherheitstechnik liegen die Stärken und Schwächen der digitalen Messe auf der Hand, wie Stefan Fischback erklärt. „Die BAU hat das Beste aus der Situation gemacht“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung. „Besonders die Live-Präsentationen kamen bei unseren Kunden sehr gut an. Die virtuellen Vorträge können aber das persönliche Gespräch nicht ersetzen.“

38.000 gaben die Organisatoren als offizielle Teilnehmerzahl an. Im Vergleich zu einer Präsenzveranstaltung, bei der wie 2019 rund eine Viertelmillion Menschen nach München kamen, zieht die digitale Version da den Kürzeren. Auch ist davon auszugehen, dass bei einer regulären Messe mehr als 3.500 Einzelgespräche geführt werden.

Doch der reine Blick auf Zahlen soll die Verantwortlichen nicht daran hindern, an einem Digitalkonzept festzuhalten. Wie wäre es denn mit einem Mix aus Präsenz- und Digitalmesse? 2023 soll die BAU jedenfalls wieder wie gewohnt in ihren „4 Wänden“ in München stattfinden. Es wäre jedenfalls zu wünschen, an der diesjährigen Innovation festzuhalten. Denn wie BAU-Projektleiter Markus Sporer schon richtig festgestellt hat: „Ein schlichtes ‚Weiter-so‘ nach Corona ist nicht möglich.“


Fotos: Messe München GmbH