02-2021
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Design4 — Vier Frauen und ihre Vision von Innenarchitektur

Dass vor allem die inneren Werte zählen, sollte längst keinem neu sein. Dieses Konzept lässt sich nicht zuletzt auch auf den Bau übertragen. Ein Gebäude äußerlich ansprechend zu gestalten, ist das eine. Den Innenbereich gemütlich und doch dynamisch, individuell und doch zeitlos umzusetzen, das andere. Genau das ist die Herausforderung, der sich die vier energiegeladenen Innenarchitektinnen stellen, mit denen wir sprechen durften.  

Ich treffe die vier Powerfrauen online, an einem grauen Mittwochnachmittag, der sich so kaum von einem weiteren coronabedingten Homeoffice-Tag unterscheidet. Die Pandemie ist es auch, die eine Reise meinerseits nach Luxemburg und somit ein persönliches Treffen mit den vier Innenarchitektinnen unterbindet.

Dieser Homeoffice-Tag aber sollte anders werden. Die zwei sich anschließenden Stunden im Gespräch mit Claudia Kasper-Bir, Claudia Wit, Heike Bertschat und Laurèle Malget übertragen ungeachtet digitaler Distanz solch eine Energie und Lebensfreude, dass man gar nicht anders kann, als von diesen Schwingungen mitgerissen zu werden.

Es sind Begegnungen dieser Art, die neue Inspiration geben, einen grau wahrgenommenen Tag plötzlich in ein neues Licht rücken. Genau das ist es auch, was die vier Kolleginnen jeden Tag aufs Neue für ihre Kunden in die Tat umsetzen wollen: die Wahrnehmung eines Raumes ganz konkret beeinflussen, aus Wohnräumen das rausholen, was der Kunde selbst noch nicht sieht. Dort Lichtakzente setzen, wo der Bauherr noch im Dunkeln tappt. Die Mission dahinter: Lebensräume schaffen, die genau auf den Kunden passen, seinen Bedürfnissen und seiner Personalität entsprechen.

Ein individuelles Wohlgefühl herauszufinden und dieses über die Innenarchitektur zu transferieren, ist nicht einfach. Genau das ist es aber, was sich die vier kreativen Köpfe zur Vision erkoren haben. Die Qualität spielt dabei eine zentrale Rolle. Hier werden keine Kompromisse gemacht. „Das muss Hand und Fuß haben“, so die Kölnerin Heike Bertschat, die zuvor gemeinsam mit Claudia Kasper-Bir für viele Jahre exklusive Kunden in Köln betreut hat. Getreu dieser Devise arbeiten auch die Niederländerin Claudia Wit, die in ihrer Karriere im Rahmen des Luxembourg Architecture Award bereits eine Mention bekommen hat und Laurèle Malget, starke Ausführungsplanerin, die außerdem einen scharfen Blick für Kosten und Kunden hat.

Der jeweilige Werdegang jeder einzelnen Architektin, Stärken, Erfahrungen und Herangehensweisen mögen sich deutlich unterscheiden. Doch genau das ist es, was die Gruppe so kraftvoll und vielseitig macht. „Aus der Manpower bekommt man die Schlagkraft. Man ist ein Team und das gibt Stärke. Damit fühlen wir uns wohl, damit gehen wir raus“, so Heike Bertschat. Wobei wir hier natürlich noch einmal explizit hervorheben möchten, dass es sich um geballte Frauenpower handelt.

Nachdem jede einzelne durch eigene Projekte und Erfahrungen an unterschiedlichen Orten über die Jahre ihr persönliches Profil geschärft hat, ziehen sie seit 2020 nun gemeinsam in Luxemburg für dasselbe Bauunternehmen an einem Strang. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Gestaltung von schlüsselfertigen Einfamilienhäusern, mit allem was dazugehört. Wichtig sei das Innere eines Hauses, wo man lebt und sich wohlfühlt. Gleichzeitig wollen sie aber in Kombination mit der Gestaltung der Außenanlagen ein Gesamtpaket für ihre Kunden anbieten, sie mit auf die Reise nehmen entlang eines roten Fadens, der sich durch das gesamte Gebäude zieht und ein rundum stimmiges und selbstverständliches Endergebnis erzeugt, laut Laurèle Malget.

Eine weitere Absicht ist dabei, das für gewöhnlich eher zurückhaltende Luxemburger Klientel ein wenig aus der Reserve zu locken, zu zeigen, was alles möglich ist und die Aufmerksamkeit auf weniger verbreitete Produkte zu lenken. „Bauen kann jeder, doch wir wollen Qualität und Exklusivität“, heißt es. Die vier Frauen sind anders, können weiterschauen, voranschreiten und wollen sich immer wieder herausheben aus dem vorherrschenden System mit immer gleichen Formen und Farben. Natürlich stehen die Wünsche der Kunden dennoch im Vordergrund. Man müsse den Kunden ja erst einmal ins Boot holen und Vertrauen gewinnen. Naturmaterialien würden momentan eine sehr große Rolle beim Klientel spielen, der Trend Back to Nature sei stark erkennbar, es werde viel mit Holz gearbeitet, Einfachheit bevorzugt.

Wo sie selbst ihre Inspiration herbekommen, frage ich. „Aus der Welt“, bekomme ich zu hören. Von der Möbelmesse in Mailand, der Steinmesse in Verona, Besuchen in Steinbrüchen, in Ledermanufakturen. Reisen, sehen, beobachten, mitnehmen – das seien die wesentlichen Dinge, um Vorstellung und Kreativität zu nähren, neue Stile zu entwickeln, Ideen zu generieren. Dabei hat die Coronapandemie natürlich auch den Arbeitsalltag der vier weltgewandten Innenarchitektinnen deutlich durcheinandergeworfen. „Uns fehlt die Welt“, bedauern sie. Unterdessen lassen sie sich momentan vor allem übers Internet inspirieren, entwickeln Konzepte und begeistern ihre Kunden mit Ausgefallenem. „Das Leben ist toll und vielfältig – tragt das doch ins Haus“, wie es Heike Bertschat zum Abschluss formuliert. Mit einem ganz eigenen Design setzen die vier Expertinnen dies in die Tat um. Von Massenware oder Produkten von der Stange grenzen sie sich dabei bewusst ab. So einzigartig wie jeder Kunde, so einzigartig die jeweilige Architektur – das ist der Anspruch.

Geschrieben von Marit Albrecht


Die Architektinnen Claudia Kasper-Bir, Claudia Wit, Heike Bertschat und Laurèle Malget gehören dem luxemburgischen Bauunternehmen JANS groupe an.