Die Bauwelt erinnert mich manchmal an meinen Studentenjob in der Gastro. Ich habe in der Küche gearbeitet und dort gab es nicht nur den Koch, sondern viele Menschen an verschiedenen Positionen: Beikoch, Salatstation, Fritteuse, Abwasch, Koordination und viele mehr. Hat mal was nicht geklappt, war meistens nicht man selbst Schuld – es waren auf jeden Fall die von der anderen Station. Und wenn es die Küche nicht war, dann aber definitiv der Service!
Genauso verhält es sich oft mit unseren Baumaterialien und deren Vertretern. Die Bauwende läuft nicht und die anderen machen alles falsch. Holzköpfe gegen Betonbauer, Ziegelmaurer gegen Stahlschrauber. Jeder verteidigt seine Disziplin, als gäbe es nur diese eine Wahrheit. Manchmal habe ich das Gefühl, wir verschwenden mehr Energie damit, andere schlechtzureden, als unsere eigenen Lösungen besser zu machen. Dabei ist die Wahrheit doch banal:
Jedes Material hat Bereiche, in denen es brilliert – und genau dort gehört es hin.
Andersherum gedacht: Ein Hochhaus oder ein Tunnel aus Holzbausteinen? Romantische Idee, aber nicht praktikabel. Ein Mehrfamilienhaus aus Vollbeton in einer Kleinstadt? Möglich, aber weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll. Es geht nicht um Ideologie, sondern um Anwendungskontext. Um Funktion. Um das große Ganze.
Holz hat seine Stärken, vor allem im Geschosswohnungsbau, bei Aufstockungen und beim zirkulären Bauen. Beton glänzt, wo Dauerhaftigkeit, hohe Lasten oder spezielle Formgebungen gefragt sind – zum Beispiel im Tiefbau oder bei großen Spannweiten. Stahl? Unschlagbar, wenn es um Tragfähigkeit und modulare Konstruktionen geht. Ziegel? Robust, langlebig, bewährt.
Das Problem ist nicht das Material – sondern unser Umgang damit. Wir reden von Bauwende, meinen aber oft nur „Bauwende zu meinem Material“. Wir reden von Nachhaltigkeit, verschweigen aber gern, dass jede Lösung Ressourcen kostet und optimiert werden muss. Wir reden von Transparenz, aber verschweigen, wo unser eigenes System Schwächen hat.
Die Bauwende wird nur gelingen, wenn wir Materialehrlichkeit leben. Das heißt: Materialien dort einsetzen, wo sie am meisten Sinn machen – und sie in diesem Bereich so weit optimieren, wie es technisch, wirtschaftlich und ökologisch möglich ist. Optimierung heißt: Holzbau weiterentwickeln – wie wir es mit TRIQBRIQ tun, um Ressourceneffizienz und Kreislauffähigkeit zu maximieren. Optimierung heißt auch: Beton besser machen – wie alcemy mit CO₂-ärmeren Zementrezepturen oder Polycare, die modulare Betonbauteile ressourcenschonend herstellen. Auch die Planung spielt eine riesige Rolle. Ich wette, wenn ich bei Werner Sobek anrufe, bekommen wir jede Stahlkonstruktion nochmal deutlich schlanker hin als ursprünglich geplant. Lasst uns in den Vorteilen der einzelnen Materialien denken und diese möglichst optimal und effizient zusammenführen.
Harmonisches Miteinander: Beton und Holz
TRIQBRIQ-Baustelle eines Mehrfamilienhauses im badenwürttembergischen Tübingen
Holz und Beton werden jeweils so eingesetzt, dass ihre Stärken zum Tragen kommen
Wie gut das funktioniert, zeigt zum Beispiel ein Mehrfamilienhaus in Tübingen, bei dem unsere BRIQs und Beton so kombiniert wurden, dass beide Materialien ihre jeweiligen Stärken ausspielen konnten. Holz für die zirkuläre Tragstruktur und Gebäudehülle. Beton dort, wo Lasten, Brandschutz oder Dauerhaftigkeit entscheidend sind. Das Ergebnis: ein funktionales, langlebiges und ressourceneffizientes Gebäude – und ein Beweis dafür, dass die kluge Kombination oft besser ist als die reine Lehre.
Am Ende verhält es sich bei den Baumaterialien eben wie in der Küche: Am besten klappt es, wenn alle gut zusammenarbeiten.
Dieser Text wurde von Lewin Fricke geschrieben und ist Teil der wiederkehrenden Kolumne „Beyond BRIQs“. Lewin Fricke ist das Gesicht des Holzbau-Start-ups TRIQBRIQ und gehört seit dessen Gründung zum Leitungsteam des jungen Unternehmens. Als studierter Politikwissenschaftler ist er für die gesamte interne und externe Kommunikation der TRIQBRIQ AG zuständig. Darüber hinaus setzt sich Lewin Fricke stark für die Bauwende ein. In kollaborativen Kampagnen und Bauprojekten fördert er die Sichtbarkeit von zirkulärer Baukultur und klärt über deren Praxistauglichkeit auf.